Dann das Jahr 1954 - die Geschichte des Werner Dallmann und der pbg

Dann das Jahr 1954 - die Geschichte des Werner Dallmann und der pbg

Fakten und Zahlen

Gründung: 13. Mai 1954 Die erste AWG in Potsdam (Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft) „Friedrich Engels“ Potsdam wird gegründet.

Eintragung ins Genossenschaftsregister am 27.05.1991 unter der Registernummer GnR 37.

Rechtsform: eingetragene Genossenschaft eG

Mitarbeiter: 18

Wohnungsbestand: 2.657 ohne Gewerbe

Mitgliedschaften bei:
BBA - Berlin-Brandenburgische Akademie der Wohnungswirtschaft e. V.
BBU - Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V., Berlin
GdW- Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen e. V., Köln
IHK - Industrie- und Handelskammer

Mitglieder 31.12.2015: 3.127 

Chronik

Abends, wenn der Stettiner Tischler Werner Dallmann, verheiratet, zwei Kinder, der im 3-Schicht-System arbeitete, aus dem RAW Potsdam von der Arbeit kam, sah er mit Befriedigung, dass die tiefen Wunden des Krieges ganz allmählich begannen zu heilen. Zwar gab es noch Ruinenberge, die an Potsdam 1945 erinnerten, aber kleiner wurden die Schuttberge. Die Straßenbahnen hatten wieder Glasscheiben in den Rahmungen und die Versorgungslage besserte sich nach und nach. Zum 1. Mai und zum 7. Oktober warteten selbst die, die sonst der jungen deutschen Republik im Osten eher abwartend oder ablehnend gegenüberstanden gierig auf das "Neue Deutschland", worin alle Verbesserung und Preisänderungen bekannt gegeben wurden.

Nur eines drückte Werner Dallmann: Er hat Arbeit im RAW Potsdam, war aber gezwungen in Belzig zu wohnen, und das ohne Aussichten auf eine Verbesserung. Dallmann, ein Mann, der zupacken konnte und wollte, ein Mann, der die neue friedliebende Republik zwar begrüßte, aber dennoch skeptisch der Staatsmacht gegenüberstand durch die noch immer frisch zurückliegenden Wunden des Krieges. ...

So reagierte er im Frühjahr 1954 ebenfalls zuerst mit Skepsis, als er plötzlich von seiner Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL) ein Gesetzesblatt in die Hand gedrückt bekam, in dem zu lesen war, das Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften gegründet werden sollten. Trotzdem meldete sich Werner Dallmann umgehend zum freiwilligen Einsatz unter der Prämisse: Würde man mitarbeiten, bekäme man seine eigene Wohnung. Noch überraschter war er, als er hörte, dass die Fläche für das zu errichtende Wohnhaus, sich in unmittelbarer Nähe des RAW befinden werde, direkt gegenüber, in der Friedrich-Engels-Strasse. Der Betrieb wolle helfen, wo er nur könnte.

Fünfzig Aufrechte waren sie, die die Chance wahrnehmen wollten. Man muss sich vor Augen halten, dass es dafür bisher kein rechtes Beispiel gegeben hatte und die gerade fünf Jahre alte DDR noch nicht in der Lage war, außer dem täglichen Überlebenskampf für einen allzu großen Vertrauensbonus bei ihren Bürgern zu sorgen. Es war noch keine zwölf Monate her, als durch diktatorisches und unkluges Handeln der SED und der DDR-Regierung das Vertrauen der eigenen Bevölkerung verspielt worden war - was überdies den Leuten in die Hände spielte, denen jede noch so kleine positive Entwicklung in der "Zone" ein Dorn im Auge war.

Die Kollegen witzelten über sein Vertrauen, das er trotzdem hatte. Es würden Kasernen statt Wohnungen, so deren Meinung. Andere Kollegen wechselten für 20 Ostpfennige Fahrgeld die Seite. Werner Dallmann ging ab Herbst 1954 nach der Arbeit im RAW auf die Baustelle. Als Tischler war er dort sehr gefragt und beliebt. Eine ganze Anzahl Fenster hat er damals selbst gebaut.

1955 wurde seine Wohnung in der Friedrich-Engels-Straße fertig gestellt und er konnte mit seiner Familie dort einziehen. Bis heute lebt er dort in "seinen vier Wänden", die selbstverständlich mehrfach saniert und modernisiert sind - privat als auch von der Genossenschaft. Am liebsten sitzt er in seiner kleinen Loggia und blickt versonnen auf "seine Kastanie", die gerade so schön blüht.

Nicht nur groß, sondern erheblich ist der Anteil der pbg zum Thema Wohnungsbaugenossenschaft in Potsdam. Die pbg mit ihren 2637 Wohnungen in den Stadtteilen Waldstadt I und II, Stern, Zentrum Ost, Drewitz, Schlaatz und in der Innenstadt gehört zu den kleineren Wohnungsbaugenossenschaften Potsdams. Aber durch ihr Engagement, die Freude am Wohnen und das Leben in Gemeinschaft, trägt sie in der Gesamtbilanz zur positiven Entwicklung dieser traditionsverpflichteten Stadt bei. Wesentliches Kriterium für die Mitgliederzufriedenheit ist neben dem Wohnungszustand auch das Wohnumfeld und nicht zu vergessen, die soziale Infrastruktur.

Weitere 50 Jahre beabsichtigt die pbg sich auf dem Markt des immer stärker werdenden Wettbewerbs zu behaupten zum Wohl aller bei der pbg wohnenden Menschen und einer immer wieder neu sich definierenden Stadtentwicklung. Die pbg ist zukunftsorientiert und offen für neue Innovationen, für jene, die Mehrwerte für die Genossenschaft und ihre Mitglieder hervorbringen.

Wir sind und bleiben dem Gedanken der Solidargemeinschaft treu!